Vorschau LZ 2017

Psychoanalyse jenseits von Eden

Theater Nikola spielt in seiner Frühjahrsproduktion  "Plötzlich letzten Sommer" - Premiere am 22. April

 

Von Yvonne Schmid
Inzestuöse Familienverhältnisse, Erbschleicherei, Kannibalimus und Lobotomie (eine neurochirurgische Qperation) - leichte Kost ist das Stück "Plötzlich letzten Sommer", das das Theater Nikola als neue Frühjahrsproduktion auf die Bühne bringt, sicherlich nicht. Reinhart Hoffmann, der Regie führt, ist sich bewusst, dass die Wahl des Werks von Tennessee Williams durchaus gewagt ist und genau darin liegt für ihn auch der Reiz. "Das unwirkliche Grauen bietet eine immense Chance, sich in Liebe zu verwandeln,"
Zum Inhalt: Die reiche Witwe Mrs. Venable (Gaby Butz) ist durch den Tod ihres Sohnes Sebastian, mit dem sie eine innig-besitzergreifendes Verhältnis hatte, tief getroffen. Ihre Nichte Catherine {Sabine Hoffmann) ist die einzige Augenzeugin seines gewaltsamen Todes und bedroht mit ihrer Geschlchte seinen Ruf als Dichter, den  seine ihn vergötternde Mutter verzweifelt schützen will. Mrs. Venable setzt alles daran, sie zum Schweigen zu bringen und will den Chirurgen Dr. Cukrowicz (Aaron Jungblut-Klemm) zu einer Operation veranlassen, die ihr "die grässliche Geschichte aus ihrem Kopf schneiden" soll.
"Ich habe das Stück über Jahre hinweg immer wieder in Händen gehalten. Der Inhalt, vor allem die explosive Verbindung zwischen Mutter und Sohn, fasziniert mich", sagt Hoffmann über seine Wahl. Das Stück biete viel Interpretationsspielraum, sowohl in der Inszenierung als auch für das Publikum. Erstmals verreist Sebastian nicht mit seiner Mutter, sondern seiner Cousine Catharine - ob aus Liebe oder nicht, bleibt offen. In diesem Urlaub stirbt er einen grausamen Tod. Catharine wird daraufhin fast wahnsinnig, was Sebastians Mutter nicht erträgt und sich zugleich zu nutzen machen will. Am Ende sagt der Arzt aber, dass die junge Frau möglicherweise nichts hat. Das war
Hoffmann nicht genug. In seiner Inszenierung verlieben sich Catharine und der Chirurg, in dem sie die Wiedergeburt Sebastians erkennt. Ob das zutreffend ist, bleibt wiederum offen, das Publikum kann seinen eigenen Schluss ziehen.


Das Grauen hält Einzug im Tropengarten


Das spiegelt sich auch im luftigen, kontrastreichen Bühnenbild mit langen, weißen Fadenvrhängen vor einem leuchtend grünen Hintergrund wider, "in dem das Grauen strömen kann". Die Bewegung der Vorhänge ist als Sinhbild der Entwicklung der unterschiedlichen Beziehungen der Figuren zu verstehen. Die Szenerie stellt einen tropischen Garten dar und ist dennoch sehr zurückgenommen und still gehalten - mit einem weißen Teppich, einem Steifen grüner Kunstrasen und zwei Stühlen, einer davon steht auf einem · roten Podest Die eigentliche Hauptfigur kommt im  Stück nicht vor und ist doch präsent: Bunte Bilder, auf denen Sebastian nur von hinten zu sehen ist, hängen an der weißen Kulisse - sie symbolisieren die Blüten des Gartens und die Erinnerungen der Mutter gleichermaßen, sagt Hoffmann. Auch die Kostüme stimmen mit der Farbsymbolik der Bühne überein. Sie sind größtenteils schwarz, weiß und rot, oft mit Blütenmustern. "Das zejgt auch, dass alle Charaktere auf irgendeine Weise in Liebe verbunden sind."
Seit Januar proben die sieben Darsteller des 50 Mitglieder starken Vereins und langsam steigt auch die Nervosität des Teams vor der Premiere am Samstag, 22. April. Das Theater wurde erst kürzlich mit dem "Weißen Löwen", dem Heimatpteis Niederbayerns für herausragende Dienste für die Erhaltung und Pflege des bayerischen Brauchtums geehrt. Unter Druck setzen will sich die Schauspielgruppe dadurch aber nicht. "Die Auszeichnung hat uns aber in unserer Arbeit bestätigt", sagt Hoffmann, der eine Prognose wagen möchte, wie "Plotzlich letzten Sommer" beim Publikum ankommenw ird. "Es ist kein leichtes, aber ein hochspannendes Thema", sagt Hoffmann. Das ist schon bei den Proben spürbar, die Stimmung, die auf der Bühne im Pfarrheim von St. Nikola transportiert wird, wechselt zwischen Anspannung, Faszination und Schaudern, insbesondere wenn Mrs. Venable über die Liebe zu ihrem verstorbenen Sohn spricht. Der Einsatz der Musik wird abgestimmt, an einzelen Bewegungen und Blicken wiid gefeilt. Vermeintliche Kleinigkeiten, die ihre Wirkqng in den eindreiviertel Stunden, die das Stück dauert, nicht verfehlen sollen. "Die Zuschauer erwarten Sinnfragen, Spannung und Erstaunen", verspricht Hoffmann. "Es wird vielleicht nicht zwingend ein Publikumsrenner, aber genau das macht das Theatermachen so reizvoll. Man kann sich immer wieder in neue Gebiete wagen".


Info:
Die Premiere ist am Samstag, 22. April um 20 Uhr im Pfarrsaal von St. Nikola.
Weitere Aufführungen sind 28., 29. April, 5., 6., 12., 13. und 20. Mai jeweils um 20 Uhr
Karten gibt es im Vorverkauf bei Bücher Pustet, Altstadt 28 oder über die Ticket Hotline 32468

 

Plötzlich letzten Sommer LZ

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