Commedia dell'arte Landshuter Zeitung Premierenbericht

Kunterbuntes Kuddelmuddel

Theater Nikola haucht der Commedia dell'Arte neues Leben ein

Von Rita Neumaier
Wer die Tradition der Commedia dell'Arte kennt, weiß um die Vorhersehbarkeit dieser Possen, wie auch die Protagonisten stets dieselben sind.
Und doch ist dem Theater Nikola mit seiner neuesten Inszenierung, "Don Carlottis Commedia dell'Arte" eine bisweilen überraschende Aufbereitung dieser Mutter aller Komödien gelungen. Am Samstag herrschte im Pfarrsaal St. Nikola beste Premierenstimmung, und Schauspieler und Regisseur ernteten viel Anerkennung. Wie auch die Musiker: Monika und Luis Bösnecker, Werner und Gabi Wildwasser tragen zeitgenössische Lieder und Moritaten zum Treiben der Komödianten bei, gespielt auf ebenso zeitgenössischen Instrumenten wie Drehleier, Krummhorn oder Cister. Im Stück selbst geht es mindestens so kunterbunt zu, wie sich das aus 75 Bahnen in 16 Farben gestaltete
Bühnenbild präsentiert.

Marionetten führen ein Eigenleben

Das Theater Nikola bettet seine Commedia in ein Spiel im Spiel: Da befreien sich die Marionetten des alten Puppenspielers Don Carlotti aus ihren Fäden und führen als Darsteller ein turbulentes Eigenleben, sobald ihr Meister ihnen den Rücken zukehrt. Mit den Marionetten erwachen die klassischen Masken der Commedia dell'Arte in vier Episoden zum Leben. Eine davon stammt aus der Feder von Nikola Regisseur Karlheinz Attenkofer. Gerade in diesem Stück mit dem anzüglichen Titel "Popolino" dürfen die Schauspieler ihr komödiantisches Potenzial so richtig ausleben, was mit viel Heiterkeit einhergeht. Da torkeln Gandolfo (Reinhart Hoffmann) und Arlecchino (Karlheinz Attenkofer) als herzhafte Trunkenbolde über die Bühne, fährt Gondolfos keifendes Eheweib

Commedia Dell Arte

 

Skeptisch beäugt der alte Pantalone (Hans Kaltenbacher), was seine Frau Isabella (Theresa Bollwein) mit ihrem Musiklehrer Leandro (Sebastian Karl) treibt. Colombina (Sabine Hoffmann) und Arlecchino (Mathias Paintner) wollen ihm weismachen, dass er nur einer Täuschung aufsitzt.


Loretta (Doris Ellinger) zur Hochstform auf, und schließlich müssen der berechnende Dottore Medicus (Hans Kaltenbacher) und die listige Dienerin Colombina (Ina Lehmann) sowie der entzückend verpeilte
Mond beziehungsweise die Mondin (Theresa Bollwein) eine List anwenden, um das Ehepaar zu versöhnen.
Natürlich geht es in allen Episoden um die Liebe; in "Mund der Wahrheit" ebenso wie in "Baum der Täuschung" oder in "Pascha Pantalone". Und stets schaffen es ihrerseits die recht lasterhaften Diener
Arlecchino und Colombina, die wahrhaft Liebenden zusammenzubringen, die allerdings nicht unbedingt miteinander verheiratet sein müssen. Denn oft geht es darum, dass ein alter reicher Mann ein armes,
junges Mädchen geheiratet hat, das er eifersüchtig bewacht. Das sorgt immer wieder für ein amüsantes Verwirrspiel. Und dass es in der Commedia dell' Arte immer gut ausgeht, weiß man ja eh. Fragt
sich nur, für wen und auf welche Weise. Das aber ist unterhaltsam zu verfolgen für das Publikum und bereitet auch den Laiendarstellern selbst sichtlich Vergnügen - sogar noch nach rund 45 Proben, die für
eine solche gelungene Inszenierung nötig waren.
Information
Weitere Aufführungen im Pfarrsaal St. Nikola am 3., 4., 10., 11., 17., 18., und 25. Mai.
Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Karten gibt es bei Bücher Pustet, Altstadt 28 oder unter der Abend-Hotline 32468.
Die Abendkasse ist eine Stunde vor Beginn der Vorstellung besetzt.