Kritik "Das Boot" in der LZ vom 28. Oktober 2019

Triumph in der Halle

Premiere des Theaters Nikola mit ausverkaufter Inszenierung von "Das Boot"


Landsbut. (rn) Es passiert selten in der Laienspiel-Szene, dass schon bei der Premiere alle weiteren Vorstellungen ausverkauft sind. Dem Theater Nikola ist das geglückt mit seiner Inszenierung von "Das Boot" nach Lothar Günter Buchheim an einem einzigartigen Spielort: der denkmalgeschützten, unsanierten Halle der ehemaligen Maschinenfabrik Sommer. Gespannt auf die Premiere am Samstag waren auch Profis im Publikum wie Stadttheaterintendant Stefan Tilch. Obwohl die Handlung durch den gleichnamigen Kinofilm und eine TV-Serie sattsam bekannt ist, gelang es, die Stimmung an Bord des U-Boots U96 der deutschen Kriegsmarine hautnah zu vermitteln. Der industrielle Charme der historischen Maschinenhalle korrespondiert hervorragend mit den inmitten dieser angelegten Bühnenaufbauten.
Das Publikum verfolgt das Geschehen von zwei Seiten entlang der Spielfäche und nimmt somit unmittelbar Antell an Aufregung, Angst und Alltag der elfköpfigen Besatzung. Die Darsteller sind allesamt männlich, nur Elisabeth Lackermeier als sterbende Ehefrau eines Besatzungsmitglieds durchwandelt geisterhaft die Szenerie.
Die noch folgenden 13 Vorstellungen sind beteits seit Langem ausverkauft.

Das Boot

 



Verloren in der Angst

Theater Nikola feiert mit "Das Boot" begeisternde Premiere in der alten Maschinenfabrik


Von Claudia Hagn
Manch einer träumt ja davon, einmal Schauspielern ganz nah zu sem. Mitten drin im Stück, statt nur als gesichtsloses Publikum irgendwo im dunklen Raum außenrum. In der Inszenierung von "Das Boot" des Theaters Nikola gilt genau das Gegenteil: Näher ran geht nicht für das Publikum. Grund dafür ist die Maschinenhalle Sommer, für die Inszenierung von Thomas Ecker umgebaut in ein U-Boot. Das Publikum sitzt mittendrin, fährt mit auf einer von der obersten Kriegsleitung ausgerufenen Mission, die für die Mannschaft auf der knapp einen Meter breiten Bühne stets eine Fahrt ins Ungewisse bleibt.
Genau diese Nähe ist die große Stärke des Stücks: Sie lässt die 124 Zuschauer nämlich ganz genau miterleben, wie das wohl gewesen sein muss 100, 200, ja knapp 300 Meter unter dem Meeresspiegel. Wie man sich gefühlt haben muss in einem schwimmenden Stahlgefängnis, das einem Geisterschiff gleicht, zig patrouillierende feindliche Zerstörer über einem, die nur ein Ziel haben: in völliger Sinnlosigkeit U-Boote abzuschießen.
Die Angst der elf deutschen Männer an Bord der U96 - die nichts anderes sind als ein zusammengewürfelter Haufen von Offizieren und Maschinisten - wird greifbar in der (nach eigenen Erlebnissen verfassten) Romanvorlage des Kriegsberichterstatters Lothar-Günther Buchheim. Sie wurde nicht zuletzt durch den Film von 1981 weltberühmt wurde.

Zuschauer sitzen sich gegenüber

Das Theater Nikola hat für diese Inszenierung alles gegeben: beim Bühnenbild, bei den Kostümen (sie stammen größtenteils aus der SkySerie vom vergangenen Jahr), bei der Maske, bei der Lichtregie und bei der Darstellung.
Es war die beste Idee überhaupt, die Bühne nicht frontal, sondern mittig in der Halle aufzustellen und zudem die Wände mit großen, graublauen Vorhängen zu verkleiden, die das Meer symbolisieren. Das verstärkt nochmals die Idee, als Zuschauer selbst im engen U-Boot dabei zu sein. Die Vorhänge dienen auch als Schattenleinwand; ebenso ein Regie-Einfall, der hervorragend funktioniert. Zudem sehen sich die Zuschauer gegenseitig an - ein Teil sitzt rechts vom Boot, der andere links. Sie müssen oft den Kopf drehen, um alles mitzubekommen, was das hervorragend besetzte Ensemble zeigt. Es gibt Schock-Momente, hervorragend passende und teils quälende Lichteffekte, eine Totenmaske auf der Leinwand und Visionen der Männer, unterlegt mit einer starken Musikauswahl. Was das Stück jedoch am eindringlichsten macht, ist der Bezug von Damals zum Jetzt. Und die nach diesem Stück recht einfach zu verstehende Botschaft, dass Kriege immer komplett sinnlos sind. Weil sie zwar als abstrakte Idee am Reißbrett entstehen; aber immer Menschen treffen, die in ihrer Angst darin völlig verloren gehen.

Alle weiteren 13 Vorstellungen von "Das Boot" in der Maschinenhalle Sommer sind komplett ausverkauft.
Einzige Möglichkeit, noch an Karten zu kommen, ist der spontane Besuch vor der Halle, und die Nachfrage beim Theater Nikola ob jemand seine Karte - etwa aus Krankheitsgründen - zurückgegeben hat. 

Das Boot