Interview Wochenblatt

Wie lange hat es gedauert, bis die Karten für die zusätzlichen Vorstellungen ausverkauft waren?
Reinhart Hoffmann: Die ersten acht Vorstellungen, fast 1000 Plätze, waren in 49 Minuten ausverkauft. Es dauerte fünf (!!!) Minuten, bis die zwei Zusatzvorstellungen, circa 250 Plätze, weg waren.
Thomas Ecker: Als aktiver Theatermacher habe ich das in über 30 Jahren noch nie erlebt. Als Theaterfan hingegen schon, wenn ich mich um Tickets für gefragte Aufführungen bemüht habe. Darum tut es mir ja so unendlich leid, dass viele Interessenten enttäuscht sind, weil sie keine Karten mehr bekommen haben.
Wie viele Zuschauer hatten Sie, die zusätzlichen Vorstellungen bereits miteinbezogen, insgesamt?
Reinhart Hoffmann: Wir werden am Ende des Tages dann knapp über 3000 Besucher gehabt haben. Insgesamt 24 Vorstellungen und wir selbst als Schauspieler haben das komplette Stück mit den Durchlaufproben dann rund 35mal gespielt.
Haben Sie mit dem Erfolg gerechnet?
Reinhart Hoffmann: Wir haben eigentlich nicht damit gerechnet, wenngleich wir schon die Hoffnung hatten, dass die Produktion gut verkauft werden würde.
Thomas Ecker: Dass "Das Boot" auf der Theaterbühne ein Renner werden kann, das hatte ich gleich im Gefühl, als ich das Textbuch gelesen habe und mit Reinhart darüber gesprochen hatte. Aber dass es so ein Monster-Erfolg werden würde, damit hatte ich ehrlich gesagt, dann doch nicht gerechnet.
Woran liegt es, dass die Produktion in Landshut eingeschlagen hat wie ein Torpedo?
Thomas Ecker: Da kamen einfach viele Faktoren zusammen. Kaum jemand konnte sich vorstellen, wie man "Das Boot" auf die Bühne bringen will. Da war das Interesse schon mal grundsätzlich geweckt. Dazu die absolut geniale Location in der Sommer-Fabrik, das spezielle Bühnenkonzept, die authentischen Kostüme aus der Sky-Serie, die Sound- und Lichteffekte und vor allem das Ensemble, dass sich unfassbar intensiv in die Rollen reingegraben hat. Nach der Premiere gab es dann durch die Bank Super-Kritiken und einen Karten-Engpass. Und wenn etwas ständig ausverkauft ist, steigt die Nachfrage noch mehr.
Reinhart Hoffmann: Hinzu kommt ein grandioses, ausgeklügeltes und stringentes Regie-, Beleuchtungs-, Bühnen- und Musikkonzept von Thomas Ecker, ein hervorragendes Spielerteam einschließlich der Gastspieler vom Theater Hofberg und Theater Konrad, das wie selten zu einer Einheit zusammengewachsen ist, als ob man sich tatsächlich unter Lebensgefahr auf "Feindfahrt" begeben müsste.
Wie waren denn die Reaktionen des Publikums nach den Aufführungen?
Reinhart Hoffmann: Am meisten fasziniert hat mich das Feedback vieler Zuschauer, die mir kommunizierten, dass sie durch die Thematik des Stückes, durch die Regie und die Darstellung richtiggehend betroffen gemacht wurden. Viele entschuldigten sich geradezu, dass sie nicht losapplaufieren wollten und konnten, weil sie derartig betroffen waren. Die Zuschauer verstanden das Stück als "Antikriegsstück" und das ist für mich eigentlich das höchste Lob, das wir bekommen konnten. Vor allem, dass es uns wohl auch gelungen ist, dies alleine durch schauspielerische Aspekte, also ohne Glorifizierung, ohne Extremeffekte, sonder allein durch die Darstellung der damaligen Realität rüberzubringen.
Was unterscheidet das Boot von "normalen" Produktionen?
Thomas Ecker: Der Zuschauer sitzt in unserer Produktion quasi auch im U-Boot, zusammen mit der Besatzung. Durch die fehlende räumliche Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum ist das Publikum genauso im endlosen Meer eingeschlossen wie die Akteure. Der abgenudelte Spruch von "Mittendrin statt nur dabei" trifft unser Konzept ziemlich gut. Dieser Ansatz hat mich fasziniert und er fasziniert mich nach wie vor. Meiner Enschätzung nach sind die Menschen grundsätzlich immer mehr auf der Suche nach besonderen, nach außergewöhnlichen Theater-Erlebnissen und Theater-Formen.
Auch weil das Event-Angebot mittlerweile so groß geworden ist. Die meisten Theaterbesucher wollen einfach begeistert, gebannt und berührt werden. Viele - das gilt auch für mich selbst - haben immer weniger Lust, von der Bühne herab belehrt zu werden oder sich Produktionen anzusehen, bei denen man das angesetzte Stück so gut wir gar nicht mehr erkennt.
Reinhart Hoffmann: Hinzu kommt meines Erachtens auch, dass vor allem die älteren Zuschauer, die noch als Kinder von den Vätern und Müttern von den Schrecken des Krieges gehört hatten, durch unsere Produktion wieder daran erinnert wurden. Und vielleicht ist es uns auch gelungen, dadurch wieder einmal in Erinnerung zu rufen, dass wir nun seit über 70 Jahren hier im Zentrum von Europa in Frieden leben können und dass die derzeitige Entwicklung der Politik hin zum Populismus gerade in Europa mit größter Sorge beobachtet werden sollte. Viele Zuschauer hatten auch ein Déjà-vu bei der Szene, als wir die ertrinkenden Seeleute der gegnerischen Schiffe nicht retteten; der Bogen hin zur Problematik der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer war bei vielen Besuchern spürbar.
Eine Selbsteinschätzung bitte: Ist das eigentlich noch Amateur-Theater?
Thomas Ecker: Das mögen andere entscheiden. Grundsätlich ist es natürlich Amateur-Theater. Da bin ich demütig genug, um auf dem Teppich zu bleiben. Ich habe weder Regie noch Theaterwissenschaften studiert - wie im übrigen keiner, der dabei war. Aber wir alle sind be diesem Projekt in jeder Beziehung weit über unsere Grenzen gegangen und haben Herzblut ohne Ende investiert - und ich glaube, das haben unsere Zuschauer gespürt und ganz besonders gewürdigt.
Was ist für die Zukunft geplant?
Reinhart Hoffmann: Wir werden im Herbst 2020 neben unserer Stadtführung in den Sommermonaten im neu renovierten Theatersaal von St. Nikola mit der Komödie "Seitensprung für Zwei" von L. Albaum/D. Jakobs auftreten und im Frühjahr 2021 "Bernarda Albas Haus" von Federico Garcia Lorca bringen.
Thomas Ecker: Das Theater Nikola und ich haben auf Sicht wieder ein echtes Blockbuster-Projekt mit mir als Regisseur in der Planung. Aber es ist noch nicht an der Zeit, öffentlich darüber zu reden.